Zehn häu­fige Irr­tü­mer über Schönheitsoperationen

Drawing lines for facial plastic surgery Foto: Benko Zsolt - Fotolia.com

1. Schön­heits­ope­ra­tio­nen sind nur etwas für Frauen.

Kei­nes­wegs. Auch das starke Geschlecht steht sei­nem Äuße­ren kri­tisch gegen­über. Laut Fach­arzt­ver­bän­den wie der Deut­schen Gesell­schaft für Ästhetisch-Plastische Chir­ur­gie (DGÄPC) lag der Anteil männ­li­cher Pati­en­ten im Jahr 2009 bei fast 20 Pro­zent. Zum Ver­gleich: Neun Jahre zuvor waren es ledig­lich zehn Pro­zent. Die Her­ren inter­es­sie­ren sich am häu­figs­ten für die Besei­ti­gung von Schlupfli­dern und Trä­nen­sä­cken, Fett­ab­sau­gun­gen, Fal­ten­be­hand­lun­gen, Haar­trans­plan­ta­tio­nen, Brust­kor­rek­tu­ren und Bauch­de­cken­straf­fun­gen. Die Beweg­gründe für Schön­heits­ope­ra­tio­nen sind in vie­len Fäl­len beruf­li­cher Natur.

2. Plastisch-Ästhetische Ein­griffe sind harm­lo­ser als nor­male Operationen.

Die Gefah­ren einer Schön­heits­ope­ra­tion wer­den viel­fach unter­schätzt. Wie bei jedem Ein­griff müs­sen die Pati­en­ten mit Throm­bo­sen, Embo­lien, Nach­blu­tun­gen, Infek­tio­nen und Nar­ben­bil­dung rech­nen. Diese Risi­ken kön­nen nie­mals ganz aus­ge­schlos­sen wer­den. Mit der Wahl eines mög­lichst gut aus­ge­bil­de­ten und erfah­re­nen Fach­arz­tes las­sen sie sich jedoch redu­zie­ren. Wich­tig sind außer­dem eine kon­se­quente Nach­sorge und die Ein­hal­tung von Ver­hal­tens­re­geln nach der OP.

3. Durch eine Schön­heits­ope­ra­tion wird man quasi ein neuer Mensch.

Plastisch-Ästhetische Chir­ur­gen kön­nen keine Wun­der voll­brin­gen. Die Mög­lich­kei­ten sind sowohl durch die medi­zi­ni­schen Stan­dards als auch durch die per­sön­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der jewei­li­gen Pati­en­ten begrenzt. So las­sen sich zum Bei­spiel die Zei­chen der Zeit nie­mals für ewig besei­ti­gen, da die Wir­kung von bei­spiels­weise Botu­li­num­to­xin A oder Hyalu­ronsäure nur eine begrenzte Halt­bar­keit hat.

4. Das Ergeb­nis einer Schön­heits­ope­ra­tion wirkt immer irgend­wie künstlich.

Einige Pro­mis zei­gen sich mit bei­nahe gro­tesk ver­grö­ßer­ter Ober­weite oder glatt­ge­bü­gel­ten, mas­ken­haft erstarr­ten Gesichts­zü­gen. Ange­sichts sol­cher Bil­der stellt sich die Frage: Ist das wirk­lich noch schön? Der Trend der Ästhetisch-Plastischen Chir­ur­gie geht aller­dings zuneh­mend in Rich­tung natür­li­che Ästhe­tik. Dank neu­ar­ti­ger Metho­den und Mate­ria­lien sowie durch ein behut­sa­mes Vor­ge­hen erzie­len Chir­ur­gen heut­zu­tage Resul­tate, die auch auf den zwei­ten Blick nicht mehr unbe­dingt ihren künst­li­chen Ursprung ver­ra­ten.

5. Aus­län­di­sche Schön­heits­chir­ur­gen sind Kurpfuscher.

Auch wenn man­che Pati­en­ten keine guten Erfah­run­gen mit Schön­heits­chir­ur­gie im Aus­land gemacht haben, ist diese Aus­sage so nicht rich­tig. Aus­län­di­sche Plastisch-Ästhetische Chir­ur­gen sind nicht immer zwangs­läu­fig schlech­ter aus­ge­bil­det als deut­sche. Vor allem in Mittel- und West­eu­ropa oder den USA herr­schen gute medi­zi­ni­sche Stan­dards. Die Schön­heits­chir­ur­gen ope­rie­ren auch nicht mit weni­ger Geschick oder Erfah­rung als deut­sche. Ins­be­son­dere bei Schön­heits­chir­ur­gen in ost­eu­ro­päi­schen Län­dern oder im östli­chen Mit­tel­meer­raum man­gelt es jedoch häu­fig an einer ange­mes­se­nen Bera­tung und Nach­sorge. Auch Hygie­ne­stan­dards und die Aus­stat­tung der Kli­ni­ken dort las­sen manch­mal zu wün­schen übrig.

6. Eine Schön­heits­ope­ra­tion garan­tiert Lebensglück.

Viele Pati­en­ten füh­len sich nach einer gelun­ge­nen Schön­heits­ope­ra­tion in ihrem Kör­per woh­ler als zuvor und erle­ben ein ganz neues Selbst­be­wusst­sein. Wer hin­ge­gen an depres­si­ven Ver­stim­mun­gen oder einer ande­ren psy­chi­schen Erkran­kung lei­det, sollte sich von einem plastisch-chirurgischen Ein­griff keine Hei­lung erhof­fen, da auf die­sem Wege keine Ursa­chen behan­delt wer­den. Die meis­ten seriö­sen Kli­ni­ken füh­ren im Falle einer see­li­schen Erkran­kung keine Ope­ra­tion durch.

7. Schön­heits­ope­ra­tio­nen sind ein rein neu­zeit­li­ches Thema.

Falsch. Die Wur­zeln der Rhi­no­plas­tik (Nasen­kor­rek­tur) bei­spiels­weise rei­chen bis in die Zeit 3000 v. Chr. zurück. Die ers­ten künst­li­chen Nasen ent­stan­den in Indien. Das Motiv für den Ein­griff hatte aller­dings weni­ger mit Eitel­keit zu tun als viel­mehr mit den dra­ko­ni­schen Stra­fen, die damals über Diebe, Ehe­bre­cher und Frauen, die ohne Erlaub­nis ihres Man­nes das Haus ver­las­sen hat­ten, ver­hängt wur­den: Man hackte den Betref­fen­den die Nase ab. Die Nase galt jedoch als Sym­bol der Ehr­bar­keit. Wer keine mehr besaß, war gewis­ser­ma­ßen öffent­lich gebrand­markt. Um das beschä­digte An- und Aus­se­hen wie­der­her­zu­stel­len, rekon­stru­ier­ten Fach­kun­dige – zumeist Pries­ter – das Riech­or­gan mit­hilfe einer Nasen­bein­pro­these und eines Haut­lap­pens der Stirn.

8. Botu­li­num­to­xin A ist ein rei­nes Anti-Falten-Mittel.

Botu­li­num­to­xin A ist ein Toxin (Gift), das von dem Bak­te­rium Clos­tri­dium botu­li­num erzeugt wird. Es ist das stärkste bekannte Bak­te­ri­en­to­xin und kei­nes­wegs nur ein Mit­tel zum Zwe­cke der Schön­heit. In den 1980er Jah­ren kam der Stoff erst­mals im medi­zi­ni­schen Bereich zum Ein­satz – vor­wie­gend zur Behand­lung neu­ro­lo­gi­scher Bewe­gungs­stö­run­gen (Dys­to­nie). Der ame­ri­ka­ni­sche Augen­arzt Allen Scott bei­spiels­weise the­ra­pierte Schie­len (Stra­bis­mus) durch eine Botulinum-A-Injektion in den äuße­ren Augen­mus­kel. Erst seit 1992 wird Botu­li­num­to­xin A in der minimal-inasiven Ästhetisch-Plastischen Chir­ur­gie ver­wen­det. Gleich­zei­tig nut­zen Medi­zi­ner die Sub­stanz auch zur Behand­lung von Migräne und Hyper­hi­d­ro­sis (über­mä­ßi­ges Schwitzen).

9. Men­schen, die eine Schön­heits­ope­ra­tion nötig haben, sind ein­fach nur eitel.

Ein gro­ßer Anteil derer, die einen plastisch-chirurgischen Ein­griff in Erwä­gung zie­hen, hat wesent­lich schwer­wie­gen­dere Gründe als bloße Eitel­keit. Mas­siv Über­ge­wich­tige bei­spiels­weise, die mit­hilfe eines Magen­ban­des oder einem Magen­bal­lon abneh­men, ver­hin­dern so Herz-Kreislauferkrankungen, Arte­ri­en­ver­kal­kung, Dia­be­tes Typ 2, Krebs, Schlag­an­fälle und andere teils lebens­be­droh­li­che Spät­fol­gen ihrer Fett­sucht. Die­je­ni­gen wie­derum, die bereits enorm an Gewicht ver­lo­ren haben, lei­den häu­fig unter über­schüs­si­ger Haut, die sich nicht mehr zurück­bil­det. Unter die­sen schlaff her­ab­hän­gen­den Fett­schür­zen kön­nen sich durch Schweiß und Rei­bung Ent­zün­dun­gen und näs­sende Wun­den bil­den, die nur schwer ver­hei­len. Ein wei­te­res Bei­spiel für eine medi­zi­nisch sinn­volle Schön­heits­ope­ra­tion ist eine Brust­ver­klei­ne­rung, wenn die allzu große Ober­weite zu chro­ni­schen Rücken­schmer­zen und Bewe­gungs­ein­schrän­kun­gen führt.

10. Wer sich die Brüste ver­grö­ßern lässt, ris­kiert, dass die Implan­tate eines Tages auslaufen.

Moderne Implan­tate beste­hen aus Sili­kon­gel und einer fes­ten Hülle. Es ist sehr unwahr­schein­lich, dass diese Hülle jemals ein­reißt. Auch für den Fall, dass dies pas­sie­ren sollte, besteht kein Grund zur Beun­ru­hi­gung. Beim Inhalt des Implan­tats han­delt es sich um einen wei­chen, aber nichts­des­to­we­ni­ger form­sta­bi­len Gel­kör­per – also keine Flüs­sig­keit. Somit ist die Gefahr eines „Aus­lau­fens“ nicht gege­ben. Grund­sätz­lich gilt: Wenn Sie mit dem Gedan­ken einer Schön­heits­ope­ra­tion spie­len, suchen Sie sich stets einen seriö­sen Medi­zi­ner, der sich Zeit für Sie nimmt und Sie gut berät. Ach­ten Sie zudem auf sei­nen Titel, denn nur ein Fach­arzt für Plas­ti­sche Chir­ur­gie hat die ent­spre­chende mehr­jäh­rige Zusatz­aus­bil­dung erfolg­reich absol­viert. Die Bezeich­nung „Schön­heits­chir­urg“ ist hin­ge­gen nicht geschützt und sagt somit auch nichts über die Kom­pe­tenz des Betref­fen­den aus.

Ein Kommentar

  1. Die erwähn­ten Irr­tü­mer über Schön­heits­ope­ra­tio­nen kann ich bestä­ti­gen. Ergän­zend möchte ich dar­auf hin­wei­sen, dass “Bil­lig­an­ge­bote” für Brust­ver­grö­ße­run­gen, Fett­ab­sau­gung, Face­lif­ting und andere Ein­griffe kri­tisch zu sehen sind. Die seriöse Plas­ti­scher Chir­ur­gie kann und darf im Vor­feld keine End­preise bewer­ben, da sich die Schön­heits­ope­ra­tio­nen auch nach der Schwie­rig­keit des Ein­griffs rich­ten, Dies kann nur indi­vi­du­ell erfol­gen.
    “Ärzte sind an die Gebüh­ren­ord­nung gebun­den und dür­fen grund­sätz­lich vorab keine Rabatte und Pau­schal­preise aus­lo­ben.“
    Siehe auch: http://www.horizont.net/aktuell/marketing/pages/protected/Brust-OP-zum-Schnaeppchenpreis-Wettbewerbshueter-gehen-gegen-Groupon-Werbung-vor_102422.html?openbox=0

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