Leich­ter leben mit Magen­band und Magenballon

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Laut der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) ist rund eine Mil­li­arde Men­schen welt­weit über­ge­wich­tig, 300 Mil­lio­nen von ihnen lei­den an Adi­po­si­tas (Fett­sucht). Die Ten­denz: stei­gend. Wenn Sport und Diä­ten ver­sa­gen, kann die Chir­ur­gie hel­fen, krank­haf­tes Über­ge­wicht zu redu­zie­ren und dro­hende gesund­heit­li­che Fol­gen abzu­wen­den: Ein Magen­band oder ein Magen­bal­lon kön­nen Abhilfe schaffen.

Was ist eigent­lich Adipositas?

Adi­po­si­tas ist die Folge eines Miss­ver­hält­nis­ses von Ener­gie­zu­fuhr und -ver­brauch. Die Betrof­fe­nen neh­men zu viele Kalo­rien auf und lagern über­mä­ßig Fett an. Als Richt­li­nie zur Bestim­mung von Adi­po­si­tas kann der Body­mas­sin­dex her­an­ge­zo­gen wer­den. Er errech­net sich aus dem Kör­per­ge­wicht in Kilo­gramm geteilt durch die Kör­per­größe in Meter zum Qua­drat. Liegt er über 25, spre­chen Medi­zi­ner von Über­ge­wicht. Steigt er über den Wert von 30, han­delt es sich um Adi­po­si­tas. Ab einem BMI von 35 mit Beglei­ter­kran­kun­gen sowie einem BMI von 40 ohne Beglei­ter­kran­kun­gen ist die Adi­po­si­tas als krank­haft zu betrachten.

Warum recht­fer­tigt Adi­po­si­tas einen chir­ur­gi­schen Eingriff?

Adi­po­sitas­pa­ti­en­ten haben meist schon viele erfolg­lose Diä­ten hin­ter sich. Sport kommt bei mas­si­vem Über­ge­wicht nur noch sehr begrenzt infrage, da die Gelenke stark belas­tet wer­den. Diese Mög­lich­kei­ten sind also aus­ge­schöpft. Doch Adi­po­si­tas ist nicht unge­fähr­lich. Die Erkran­kung senkt die Lebens­er­war­tung, da sie unter ande­rem erhöhte Blut­fett­werte und Arte­ri­en­ver­kal­kung, Blut­hoch­druck, Atem­pro­bleme wie Schlaf­apnoe, Dia­be­tes, Herz­schwä­che sowie ein erhöh­tes Krebs- und Schlag­an­fall­ri­siko mit sich brin­gen kann. Davon abge­se­hen stellt Fett­sucht auch eine psy­chi­sche Belas­tung dar und ist in der Lage, Depres­sio­nen aus­zu­lö­sen. Kurzum: Der Hand­lungs­be­darf ist hoch.

Wel­che Mög­lich­kei­ten gibt es?

Für Pati­en­ten mit einem BMI ab 27 emp­feh­len Medi­zi­ner einen Magen­bal­lon. Adi­pö­sen Men­schen mit einem BMI ab 33 und Dia­be­tes sowie Pati­en­ten mit einem BMI ab 35 bezie­hungs­weise 40 raten wir hin­ge­gen zu einem Magen­band. Die­ses ist übri­gens sogar von der ame­ri­ka­ni­schen Gesund­heits­ad­mi­nis­tra­tion für die Behand­lung von Typ II-Diabetes zugelassen.

Was ist ein Magenballon?

Ein Magen­bal­lon ist ein Sili­kon­bal­lon, der sich ohne einen chir­ur­gi­schen Ein­griff über die Spei­se­röhre in den Magen ein­füh­ren lässt. Die Pati­en­ten erhal­ten zuvor eine leichte Sedie­rung. Durch einen Kathe­ter wird der Bal­lon anschlie­ßend mit 500 bis 600 Mil­li­li­ter Koch­salz­lö­sung befüllt. Der Bal­lon ver­bleibt frei schwim­mend im Magen und nimmt einen Teil sei­nes Rau­mes ein. Dadurch tritt das Sät­ti­gungs­ge­fühl schon nach gerin­ger Nah­rungs­auf­nahme ein. Nach bis zu zwölf Mona­ten gelingt es den meis­ten Betrof­fe­nen, ihr Ziel­ge­wicht zu errei­chen. Dann ent­fer­nen die Ärzte den Bal­lon wie­der auf dem­sel­ben Wege.

Wie funk­tio­niert ein Magenband?

Mit­hilfe eines Magen­bands wird in einem mini­mal­in­va­si­ven ope­ra­ti­ven Ein­griff der Magen in einen klei­nen Vor­ma­gen von 25 Mil­li­li­ter Fas­sungs­ver­mö­gen und den Rest­ma­gen unter­teilt. Dabei wer­den keine wesent­li­chen ana­to­mi­schen Ver­än­de­run­gen am Ver­dau­ungs­ap­pa­rat vor­ge­nom­men. Bei Bedarf kann das Magen­band ein Leben getra­gen werden.

Die bei­den Magen­teile blei­ben über eine Öffnung, das soge­nannte Stoma, ver­bun­den. Der Vor­ma­gen kann nur mehr eine sehr geringe Nah­rungs­menge auf­neh­men und diese lang­sam über das Stoma an den Rest­ma­gen wei­ter­lei­ten. Dadurch tritt das Sät­ti­gungs­ge­fühl sehr rasch ein. Das Magen­band besteht aus Sili­kon und ent­hält eine Flüs­sig­keit. Die Menge die­ser Flüs­sig­keit legt fest, wie eng das Magen­band sitzt und wie groß dem­zu­folge der Sto­ma­durch­mes­ser ist. Durch einen Schlauch ist das Band mit einem Port ver­bun­den, der unter die Haut implan­tiert wird. Über diese Vor­rich­tung kön­nen wir jeder­zeit ohne eine zweite OP wei­ter Flüs­sig­keit zufüh­ren, um das Stoma indi­vi­du­ell und je nach Fort­schritt der Gewichts­re­duk­tion anzu­pas­sen. Diese Ein­stel­lung des Magen­bands kann übri­gens nur von einem Spe­zia­lis­ten vor­ge­nom­men werden!

Gibt es Risi­ken und Nebenwirkungen?

In den ers­ten Wochen muss sich der Kör­per natür­lich erst ein­mal an die Maß­nahme gewöh­nen. Der Magen­bal­lon kann in den ers­ten Tagen nach dem Ein­set­zen vor­über­ge­hend Sym­ptome wie Übel­keit, Magen­krämpfe oder Sod­bren­nen aus­lö­sen. Dage­gen gibt es Medi­ka­mente. Wich­tig ist auch, dass die Pati­en­ten beim Essen bestimmte Regeln ein­hal­ten. Spä­ter ver­tra­gen die Pati­en­ten den Bal­lon in der Regel sehr gut. Auch das Magen­band zählt zu den am wenigs­ten gefähr­li­chen Mög­lich­kei­ten der Adi­po­si­tas­chir­ur­gie. Den­noch müs­sen Inter­es­sierte beden­ken, dass der Ein­griff unter Voll­nar­kose durch­ge­führt wird und dass Adi­po­sitas­pa­ti­en­ten auf­grund ihres mas­si­ven Über­ge­wichts und poten­zi­el­len Herz-Kreislauferkrankungen ein höhe­res Ope­ra­ti­ons­ri­siko tra­gen. Wie auch beim Magen­bal­lon kön­nen in der ers­ten Zeit Anpas­sungs­schwie­rig­kei­ten auf­tre­ten. Um Pro­bleme wie bei­spiels­weise Erbre­chen zu ver­mei­den, erhal­ten die Pati­en­ten einen detail­lier­ten Ernährungsplan.

Was kön­nen Magen­bal­lon und Magen­band erreichen?

Mit einem Magen­bal­lon kön­nen Adi­po­sitas­pa­ti­en­ten ihr Kör­per­ge­wicht um durch­schnitt­lich 15 bis 20 Kilo­gramm redu­zie­ren, ver­ein­zelt auch um bis zu 35 Kilo­gramm. Mit einem Magen­band kön­nen die Betrof­fe­nen theo­re­tisch Nor­mal­ge­wicht errei­chen, wäh­rend sich das Gewicht in der Pra­xis meist bei einem BMI zwi­schen 25 und 30 ein­pen­delt. Vor­aus­set­zung ist jedoch, dass die Betrof­fe­nen keine hoch­ka­lo­ri­schen Getränke oder Süßig­kei­ten zu sich neh­men. Diese kön­nen den Magen näm­lich unge­hin­dert pas­sie­ren und die Maß­nah­men somit sabotieren.

Kann mit­hilfe des Magen­bands oder des Magen­bal­lons auf eine Ernäh­rungs­um­stel­lung und Sport ver­zich­tet werden?

Die Bereit­schaft, die Ess­ge­wohn­hei­ten umzu­stel­len und sich aus­rei­chend zu bewe­gen, ist in jedem Fall unab­ding­bar für das erfolg­rei­che Abneh­men. Magen­bal­lon und Magen­band sind ledig­lich Hilfs­mit­tel, keine All­heil­mit­tel. In der Regel wer­den die Pati­en­ten daher auch ernäh­rungs­phy­sio­lo­gisch bera­ten und zu kör­per­li­cher Akti­vi­tät moti­viert. Kleine, aus­ge­wo­gene Mahl­zei­ten und 30 Minu­ten Bewe­gung täg­lich sind ideal.

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